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ARMIN HUNDERTMARK: Anmerkungen
zu den Gedichten von Boris Lurie (1999)

Ende September 1999 erhielt ich von Boris Lurie ein Fax mit der Bitte, eine kleinere Einleitung oder einen Artikel für sein Gedichtbuch zu schreiben. Habe ihm zurückgefaxt: Werde versuchen, was zu schreiben für Dein Buch.

Vorher bekam ich schon viele Faxe von Boris. Unter anderem sollte ich Günter Brus auffordern, eine Zeichnung für sein Gedichtbuch zu machen. Kurze Zeit später kam Günter Brus nach Köln, weil der Du Mont Verlag ein Buch von Günter herausbringen will. Günter kam in meine Galerie. Vorher hatten wir eine Edition besprochen, die er für mich machen wollte. Ich gab Günter den NO!-art Katalog der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin. Ein kleine Radierplatte hatte ich noch in der Galerie und einen Stichel. Beides gab ich Günter. Er ging in eine Eckkneipe. Nach Galerieschluss sollte ich nachkommen. Als ich in die Kneipe kam, sass er mit einem Kölner Künstler an der Theke. Seine Sachen lagen auf einem Ecktisch. Günter hatte dort die Radierplatte fertig gemacht. Wir überlegten einen Titel und die Form wie wir die Radierung herausgeben sollen.

Vor etwa zehn Jahren gab mir Boris einige Gedichte zu lesen. Ich sollte ihm sagen, was ich davon halte. Ich sagte ihm, dass ich kein Literaturkritiker sondern Kunstverleger bin. Zwischendurch bekam ich immer mal wieder Kopien von neuen Gedichten, so dass ich mich nach und nach in die Gedichte reinlesen konnte. Boris hat sie mit großer Beharrlichkeit weiter geschrieben. In einer manchmal „altdeutschen“ Sprache. Beim Lesen spürt man sein grosses Wissen und das Schicksal, das er erlitten hat. Er macht aus seinem persönlichen Erleben Mitteilungen, die weit darüber hinaus gehen. Sie mahnen, rütteln auf, sind manchmal anrührend, naiv und krass und lassen einen nicht gleichgültig.

Boris habe ich als bildenden Künstler kennengelernt. 1974 machte er Multiples für meine Edition. 1976 gab ich die Zeitschrift „AUSGABE“ heraus. Ich bat ihn, etwas für die Zeitschrift zu schreiben. Schon bald bekam ich Texte von ihm, die ich auch abdruckte. Es waren Texte über die NO!-art Gruppe. Später schrieb mir Boris und fragte, ob ich nicht eine Sondernummer meiner „AUSGABE“ über die NO!-art Gruppe publizieren wolle. Ich sagte zu. Nun überhäufte mich Boris mit Texten und Fotos seiner Arbeiten und den von vielen anderen. Später machte Dietmar Kirves daraus ein Buch. Das gab ich 1988 heraus.

So habe ich mich schon lange und viel mit den Bildern und Schriften von Boris Lurie beschäftigt.

Quelle: Boris Lurie, Geschriebigtes — Gedichtigtes, Stuttgart 2003

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ÜBER DIE GALERIE UND EDITION HUNDERTMARK: Die Edition and Gallery Hundertmark (bis 2002 Edition Hundertmark) ist ein deutscher Verlag für Künstlerbücher und Kunstobjekte. Die Edition wurde 1970 von Armin Hundertmark (* 1948 in Berlin) gegründet. Der Verlagssitz war anfangs in Berlin. Verlegt wurden Arbeiten von Fluxuskünstlern, den Wiener Aktionisten und der Konkreten Poesie. Zu den ersten editierten Künstlern gehörten Joseph Beuys, Günter Brus, Robert Filliou, Ludwig Gosewitz, Milan Knížák, Otto Muehl, Hermann Nitsch, Arnulf Rainer, Tomas Schmit, Ben Vautier oder Emmett Williams. Von diesen und anderen Künstlern erschienen Tonbandkassetten, CDs und Multiples. Von den meisten Künstlern wurden auch Ausstellungen in der angeschlossenen Galerie gezeigt. Markenzeichen waren dabei die Editionen in Kunstkisten, den Kartons, die heute bereits erheblichen Sammlerwert besitzen. 1976 gründete Hundertmark die Literatur- und Kunstzeitschrift „Ausgabe“. mehr

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