| VOR WEITER |
|
TEXTARCHIV |
|
EINEM NEUEN HUMANISMUS ENTGEGEN |
|
Von Jean Toche (1970) |
|
| Publiziert in: Lurie, Boris; Krim, Seymour: NO!art, Köln 1988 | |
|
Kunst ist schuld am schlimmsten Verbrechen gegen die Menschheit: dem Schweigen. Kunst befriedigt sich darin, eine ästhetische Maschinerie zu sein. Sie begnügt sich mit sich selbst und ihrer sogenannten Geschichte. Sie stellt tatsächlich das wichtigste Instrument dar, mit dem unsere repressive Gesellschaft ihr eigenes Image idealisiert. Kunst wird heute dazu missbraucht, die Menschen von der Bedeutung ihrer eigenen Krise abzulenken. Kunst wird heute dazu missbraucht, die Leute dahin zu bringen, das Big Business und seine Unterdrückung leichter zu schlucken. Museen und kulturelle Einrichtungen sind die heiligen Tempel, in denen die Künstler, die sich darauf eingelassen haben, heilig gesprochen werden. Kunst ist heute das höchste Symbol für den unmenschlichen Prozess der Geschäftemacherei. Wenn die Kunst die Unterdrückung unserer Gesellschaft zeigt, wird sie ohnehin unterdrückt. Die Künstler sind zu Clowns der Gesellschaftsmanipulatoren geworden. Durch die Enthumanisierung ist die Kunst leblos geworden. In den meisten Künsten wird die wahre Substanz des Gefühls heute vorsätzlich weggelassen. Unterdrückung des Gefühls statt Ausdruck des Gefühls! |
|
|
JEAN TOCHE: Geboren 1932 in Brügge (Belgien). In den frühen 70er Jahren gründete er zusammen mit Jon Hendricks in New York die GUERILLA ART ACTION GROUP. Organisierte mehrere Aktionen und Happenings, mit denen er das New Yorker Kunstestablishment angriff und provozierte. Er ist involviert in politischer Mail art und versendet Flugblattsammlungen unter dem Titel"OF PISS @ N'PUS". Lebt in Staten Island (New York). |
|
|
|
|
|
| © http://text.no-art.info/toche_humanismus.html | |