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 Lieb’ Brother Martin!
 Das Mädchen spritzt
 Ich schwärme
 Fürchterlich’ Stinke
 Giesses Rotblut
 Was sich nicht anpasst
 Geschichte läuft mit vollen Hosen
 Ich les die Scheisse
 Die eitlen Kinder bin ich auch
 Ich suche in den Gegenden
 Immer Verlust
 Kascha
 So viele mysteriöse Sachen
 Das Feuer-blasend Blut
 Jetzt ist all, heute, schön
 Ich bin heut’ Happy
 Man will alleine ewig
 Der Künstler muss malen
 Ich rufe hin, in Löcher drin
 Umzingelt sind die Wehetäter
 Streng – Aufbewahren
 Die Röschen fallen
 Wir versuchen es
 Der Schwarm ist nur
 Es brennt, verdorrt
 Man lauscht sich spannend
 Der taube Goya
 Lieb’ Meister Chagall
 Die haben zu lang
 Gesträubte Energie
 Das Rauchen
 Es sind nicht meine Zähne
 Die Kunst kommt in der Nacht
 Das Hundebellen wär’ so schön

[10. Februar 2000]

Lieb´ Brother Martin!
Ich habe letzter Jahre ...
gerade diesem Tage — ?
dir meine Mutter, zur Aufbewahrung
in deine Zelle, hingesetzt
hineingesetzt —

Was hast du denn mit ihr gemacht?

Jetzt hab´ ich 17 Millions U.S.-Dollars
18 ist meine Glückszahl
darf ich denn sie nicht jetzt herausholen?
bist doch mein Freund.

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[17. Februar 2000]

Das Mädchen
spritzt
ihr Störungsgift
hochstosst hochschiesst
auf der Märtyrerstrasse.

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[19. Februar 2000]

Ich schwärme von der Magdeburger Lager-Suppe.
Drinn wasser-spielen, scheinbar glücklich,
kleine Kinder.

Ein Fuss dreht mir ganz schlapp —
wie könnt´ ich da weglaufen von der Sünde.

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[12. März 2000]

Fürchterlich´ Stinke
kommt aus der Ritze
Wahrheit die stinkt
nun berühmte.

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[12. März 2000]

GIESSES

ROTBLUT.

Schmutzige Jahre.

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[19. März 2000]

Was sich nicht anpasst, das geht kaputt,
so sagen uns gelehrte Recherchisten
wie kommt es denn —
mit Gottesfürcht´gen Juden?
mit Mittelalterlichtem angezog´nen Juden?

Lang leben solln! die
Hassidisten aller Länder aller Glauben,
die nicht den Wegesprüchen von den Winden
ausgesetzt!

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[25. März 2000]

Geschichte läuft mit vollen Hosen
wie ein charmanter Jüngling,
ins Getwixt
und keine Dollar— Scheinpapiere
wächst im Busch.

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[26. März 2000]

Ich les´ die Scheisse,
die man nicht veröffentlichen darf

nur eingeritzt in Felsen in der Wüste.

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[30. März 2000]

Die eitlen Kinder
bin ich auch
vermisst
Das Papageienland
im Papageienland

DIE BLAUEN KINDER:
ALL´S VERMISST

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[2. April 2000]

Ich suche in den Gegenden
wo ist´s verpropft.

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[2. April 2000]

Immer Verlust.
Mach keine Sorgen.
Morgen.

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[8. April 2000]

KASCHA

Wie sie da unten im Treppenflur in der Villa stand, aufgeregt, nervös, vielleicht hysterisch, stumm doch in Bewegung, alsob zum sekundären Rückzugs- /Angriffseinsatzes bereit, erinnerte sie mich an eine (viele), die ich faktisch (kaum) niemals gesehen hatte. Schwarz angezogen in Galifee-Hosen in Reiterstiefeln. Da steht sie so, es sind doch keine nur Erinnerungen.

Ihr LKW, den sie selbst führerte, sollte draussen vor der Villa geparkt worden zum Abfuhrtransport — bereit, so sagte sie, geparkt gewesen sein. Diesmal, riskanter Schwarzmarkt-Handel durch die Besatzungsgrenzen Deutsches Reich. Und da schlug es mir durch die Kopfritze, dass es vielleicht zu gefährlich oder verwickelt sein würde, mit ihr weiterzumachen, nichts mehr — zuviel. Automatisch. (Alldas ohne irgendwelche negative Discours.)

So sah ich sie dann, zum letzten Mal, aus der Vogelperspektive unten auf dem Flur. Begleitete sie gar nicht zu ihrem Transportwesen. Wollte natürlich nicht von ihr mit dem Figment mittransportiert werden. Doch ich war fürchterlich ganz jung und dumm, in diesen intimen, wenn nicht anderen Sachen.

Ich hatte solch eine, wie sie gewesen sein könnte annehmbar, wenn nur auch gleichwegs — oder schlimmer? — war, so ausgerüstet, faktweise keinmal wirklich, kaum jemals, niemals gesehen. Auch ladete sie mich zu ihrer Fahrt gar nicht ein, verstand bestimmt, dass sowas unannehmbar war. Auch überliess sie keine Adresse (und ich fragte nicht um eine). Sie fuhr dann nur, so musste sie´s geplant haben, nur vorbei.

Nun, doch, im Jammertal verblüffter Arroganzen — wo dann, in welcher Gedenkstätte, Kascha.

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[9. April 2000]

So viele mysteriöse Sachen
wie Sklaverei — oder die Schwunst
sind noch im Leben, zu erörtern.

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[9. April 2000]

      das Feuer-blasend Blut— auf-der-Strasse
zweitausend zweigtes
zweites Ka-zet
Millenium
oh Richard Wagner!
     Wieso dennauf der Fratze
die demokratisch heilend
     Totenmaske

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[10. April 2000]

Jetzt ist all, heute, schön in Ordnung.
Das Blut läuft Pumpe, in die weitsten Glieder
Reichsbahn-Transporte, sie ernähren —
und Lungen saugen, diesmal frisch-fragrante New York Luft
wie linden Umsatz, in die Börse
und zierlich Dinge Mädelchen, raus ihrem arisch blonden Bett
begrüssen Guten Morgen, Vater Papa Stalin
Papa Lazar Kaganowitch.

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[22. April 2000]

Ich bin heut´ Happy.
Ich will viel heute schlafen,
die Kunst zumachen nicht zu machen
und schnarchen vogelfrei,
um wirklich dann zu wachen.

Schon bald genug wird Teufel kommen,
um die Metragen wieder anzuhetzen.
Die krummen Bilder/hinkend Wortgerüste
in kahler Wüste zwangsernähren
dann ... wiederdann im Schlaf ...
die Resultate garnicht hassen.

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[22. April 2000]

Man will alleine ewig nicht im Weltall purzeln

— GOTT! gib mir doch Deine Kette rum die Hand!

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[23. April 2000]

Der Künstler muss malen.

Die Kuh muss grasen.

Und ich, auf dem verdeckten Rasen

sollte, mich fütternd

grausam rasend grasen.

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[28. April 2000]

Ich rufe hin, in Löcher drin
scheinheilig um den Sinn
mit konkurierenden
Blaseorchestern
doch weiss ich nur ein einzig Wort
Millenka
Spill-i-lenka
Vergiess-lenka

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[15. Juni 2000]

Umzingelt sind die Wehetäter
mit Schokolade,
die von den Bäumen tropfet.

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[27. Juni 2000]

Streng —
Aufbewahren.
Den Abfluss zu verweigern.
In sich, verneinen.
Den Röntgenabzug keinem zeigen.
Dabei — in sich selbst strahlen.
Und immer, höflichst so, dein Dasein zu bejahen.
Wennmöglich, Keule in der Jacke — zum Spass — tragen.

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[28. Juni 2000]

Die Röschen fallen, aus den Engen
wie Butterstöckchen
und wirklich da — entsteht —
sein Herz umarm mich! —
der alte bärtig Renoir.

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[13. Juli 2000]

Wir versuchen es, so schnell wie möglich —
und bequem zu machen.

Ich mach´ das so — dass es bequem ist.

Wenn die Frauenbrüste heute sprechen könnten,
was hätten sie gesagt?

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[18. Juli 2000]

DER SCHWARM IST NUR
VON ALLER FRAUEN
IMMERLEBENS

die nur dem Guten angetan — und dies wär´s gut

So einstmal in der jungen backfisch Güte —
Sich-Haberei
die Röcke und die Hosen angenehm-pervers, vorbei
auf dem Boulevard benannt der Freiheit
vorbei, sich nichtbegegnen schielen äugeln

und das heisst später
denselben Riga Hitler-Boulevard fegen
den angesessnen Schnee frierend in sich bewegen
den angeheizten Zivilisten, beiklatternden Soldaten-LKWs
die Atmung in die Hölle, zitternd, reinzuprägen

Und so erschien das Butterbrot
Weissbrot mit Butter
geheim
der winzig krümmten alten Lettenfrau
die sich im Höllenfroste angenehme ausgeruht
weghumpelte
(hat sie´s so vorgeplant?) — unbeglaubtes Wunder
von sich alleine auf der Boulevard-Bank
zum Segen Judenchristi (auch des Stalins?)

schon des Fraues herrlich
menschlich Güte.

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[28. Juli 2000]

Es brennt, verdorrt
was Liebe, deshalb, war ... im Herz
der regnerische Hügel, aufsteigend
zur allmächtig Kunst: zum MONTPARNASSE
Kiosk,
Delancey-Essex-Strassen, flach
— es schweisst —
im nächtig schreit — sich Auto-Wahn
vom Doppelt-Getto der East Side,
verklebt, die Pinup-Mädchen die da ausgestellt
(mit eignem Kaufverbot)

Zuwenn die Liebe schwamm
vergess ich nicht den Kram
ich bin ein Mann.

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[2. August 2000]

Man lauscht sich spannend
an den Körper:
Iss mich! —
wohin?

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[30. September 2000]

Der taube Goya
schreit mir ins Ohr
— flüstert:

Es ist verboten, schön zu malen.
Es ist verstaubt, die langsame
Genuss-Inspiration
für sich — zu haben.
Du sollst geniessen
schwarze Raben.

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[15. Oktober 2000]

Lieb´ Meister Chagall!
Die Wiegen— Leiber aus dem Riga— Städt!
durchschlangen sich durch Eures Purpur
ab New York Kratzer steiler Spiegel
vergeben sich, in Eures Diamanten— Tinte
wie schön es sei die rosa bläulich gelblich kleine Körper
Ihr sie malet
so wir!
sie bloss mit haarig Karabiner tauen mögten.

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[17. Oktober 2000]

— Die haben zu lang
eitles Künstlerblut gesoffen:
nun müssen sie doch an den Galgen.

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[18. Oktober 2000]

Gesträubte Energie
die platzt —
weil sich die Ziele
miteinander nicht verstehen.

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[24. Oktober 2000]

Das Rauchen
nach dem Rauch
gibt Mut,
doch die Lungen
verrauchen.

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[30. Oktober 2000]

Es sind nicht meine Zähne!
mit was ich beisse.

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[2. November 2000]

Die Kunst kommt in der Nacht
stillstehend
plötzlich ihre schweren Damenbrüste offenbarend
aus dem alt-getrag´nen Häftlingskleid

Ich, keuchend nicht geschnappt werd´
auf dem Polte-Werke Küchenweg —
Kartoffelschale, er mir nüchtern bietend.

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[9. November 2000]

Das Hundebellen wär´ so schön,
wenn es die Tiere uns Ästheten
mehr ästhetisch machen könnten.

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