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GOODMAN IST NICHT MEHR

Von Marcel Janco (1973)

Publiziert in: linkLurie, Boris; Krim, Seymour: NO!art, Köln 1988

Goodman lebt nicht mehr. Ist er aus Ekel gestorben, weil er sein Leben lang gegen die Attribute all der Gelassenheit unserer Zeit gekämpft hat: gegen Formalismus, gegen Komfort, gegen Utilitarismus und gegen "Schöne Kunst"?

Ich habe die Lurie und Goodman Ausstellung in Mailand gesehen: Da gab es keine Bilder an der Wand, keine Plastiken, keine Teppiche, sondern nur Plakate, und zwar NO!poster. Ein Protestschrei gegen unsere Zeit mit ihren Kriegen, ihren Pin-up Girls, Päderasten, Demagogen und Huren. Ein großer Aufschrei der Ablehnung. Ablehnung all dessen, was uns gegen jede Regel aufgezwungen wird. Ablehnung all der Intrigen, die man uns unter dem Deckmantel der Kunst unterschieben will. Das war sehr stark.

Die Dadaisten versuchten, die Ordnung der Kultur, der Philosophie und der Kunst auf den Kopf zu stellen, indem sie die schöpferische Erfahrung, die Gesetze des Zufalls und den großen Zweifel an der Logik bis zum Absurden betonten. Und all das mit Ironie und Witz.

Doch Goodman und Lurie haben in ihren Aktionen eine Lebendigkeit und aggressive Kraft entwickelt, die die Grundlagen unserer Ordnung erschüttert, eine Bildsprache der Blasphemie und Schmähungen, voller Abscheu bis hin zur Verzweiflung. — Wird der Mensch von nun an nur noch ein Produzent von Exkrementen sein?

Marcel Janco (* 24. Mai 1895) in Bukarest, † 21. April 1984 in Tel Aviv, Israel) war ein rumänisch-jüdischer Künstler und Schriftsteller. Er gründete 1916 zusammen mit Hugo Ball, Tristan Tzara, Hans Arp und anderen in Zürich das Cabaret Voltaire und ist damit einer der Urväter des Dadaismus. Auf Janco geht auch das 1953 gegründete Künstlerdorf En Hod in Nordisrael zurück.

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