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STATEMENT ZUR UNTERGANGSAUSSTELLUNG

[DOOM SHOW 1961]

Von Stanley Fisher

Publiziert in: linkNO!art, Lurie, Boris; Krim, Seymour: NO!art, Köln 1988

Die Zeit ist gekommen, wenn die Empörung auch die geringste Ängstlichkeit überwunden hat. Zum Teufel mit der Gewohnheit und der Selbstzufriedenheit. Die dummen und erniedrigenden Kräfte der Herrschenden haben sich und alle anderen selbst in eine Sackgasse getrieben. Vergleichsweise lässt das die Nazikrematorien harmlos erscheinen. Die Regierenden, eigenwillig in ihrer Dummheit und Verachtung, weigern sich, endlich abzudanken und Ihr verbrecherisches Handeln zuzugeben. Ihr geheiligtes kriminelles Verhalten ist zum Lebensstil geworden bis hinunter zur unmenschlichen Behandlung der Kinder zu Hause und in der Schule, bis zur Verweigerung der sexuellen Freiheit für jene, die alt genug sind, um damit fertig zu werden, ... und der Preis für diese überall verbreitete gesellschaftliche Krankheit ist die geistige Borniertheit, die intellektuelle Heuchelei und Wut gegen die Lebenden und Liebenden. Und jetzt ist es soweit! Die Folgen sind tödlich ... Leben darf nicht unterdrückt werden, indem man es völlig zerstört. Die Mittel sind da: die Atombombe und all diese Horrorrüstungen! Haben wir uns gegen unsere Existenzbedrohung gewehrt? Haben wir die Brutalisierung von Gefühl und Zuneigung gespürt?
Haben wir den Wunsch unterdrückt, diese Abscheulichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren? Haben wir resigniert, um Stagnation und Krebsgeschwüre anzuerkennen? Nicht doch: Wahrheiten haben eine Gesellschaft, die sterben will, nie erregt. Denn die Verstümmelung und Verletzung anderer Ist ja nur ein Nervenkitzel. Atombunker werden gebaut, Überlebensausrüstungen geschaffen. Menschen werden gegen die Verletzung des Lebensrechtes und das Recht auf Exzentrizität unempfindlich gemacht. Die Atombunker sind Ofen, in denen unsere Selbstverbrennung endgültig wird, ein Tod ohne Bedeutung, ein Tod ohne Würde, ein einsamer Tod, ein Tod, den wir im gewissen "Sinne" verdient haben. Und wo sind die Künstler, die für das Überleben und die Kultur auf die Barrikaden gehen? Warum sind sie nicht aus Ihren Träumen aufgewacht, um der unmittelbaren Bedrohung ihrer Freiheit entgegenzutreten?
Die Freiheit, die die wichtigste Voraussetzung für alle Kunst und alle Träume ist. Ja, auch all die Künstler fühlenmsich wohl In dem Schleim dieser idiotischen Welt, die die mächtigen Lebensgefühle und Lebensgefahren nicht sehen will. Die March Galerie ist hier und jetzt ein Sammelpunkt für die, diemsich dagegen wehren wollen, ein Brennpunkt für die, die die Wurzel des geplanten Weltuntergangs als Krankheit erkannt haben. Die March Galerie ist eine Zufluchtstätte für all die Künstler, die der allgemeinen Lähmung widerstehen wollen, die etwas sagen wollen, die einen leidenschaftlichen Schrei ausstoßen wollen.
Die Ausstellung haben wir Untergang genannt. Sie soll für die da sein, die überleben wollen. Hier ist die Kunst für den Fortbestand des Lebens.

STANLEY FISHER: Geboren 1926 in New York. Gründete zusammen mit Boris Lurie und Sam Goodman die NO!art-Bewegung. Herausgabe der Beat-Anthologie Beat Coast East. Gestorben 1980.  |  linkMEMO

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